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Der Mann mit den schnellen Beinen

Wenn bei einem Trolleybus von vbl eine Reparatur ansteht, ist Andreas Bernet rasch zur Stelle. Der 37-jährige Mechaniker ist aber auch auf anderem Parkett ein schneller Mann.

Er läuft und läuft und läuft. Nein, in diesem Text geht es nicht um eine Werbung für einen deutschen Automobilhersteller, der unlängst mit Abgaswerten negativ in die Schlaguzeilen geraten war. Es geht auch nicht um Motoren - obwohl Andreas Bernet bei den Verkehrsbetrieben Luzern als Mechaniker täglich mit grossen Fahrzeugen zu tun hat.

Durchs Brandenburger Tor

Andreas Bernet ist passionierter Marathonläufer. Nach einer intensiven Zeit in einer Guuggenmusig entdeckte der 37-Jährige vor sieben Jahren diesen Ausdauersport. «Ich war vorher schon gerne draussen in der Natur», sagt Bernet. Mittlerweile hat er sieben Marathons absolviert, einige über flache Distanzen, aber auch Bergmarathons wie der Jungfraumarathon. Ende September 2015 trat Bernet zum ersten Mal im Ausland an den Start eines Marathons – in Berlin. Mit einer Zeit von 2:45:2 Stunden klassierte er sich in seiner Alterskategorie im 125. Rang.
«Das Rennen in Berlin war schon sehr eindrücklich, mit all den vielen Zuschauern am Streckenrand und mit der Durchquerung des Brandenburger Tores kurz vor dem Zieleinlauf», schwärmt Andreas Bernet. Für den Berlin-Marathon hat er hart trainiert, in den letzten zwei Monaten vor dem Rennen täglich. Insgesamt hatte er 800 Trainingskilometer in den Beinen, als in Berlin der Startschuss ertönte.
Vier Wochen nach Berlin war Bernet auch in Luzern wieder am Start. Allerdings nicht im Marathon über die volle Distanz von 42,195 Kilometer, sondern über die Halbmarathondistanz. Mit einer Zeit von 1:17:16 belegte er in seiner Kategorie den hervorragenden 3. Platz. Auch das Heimrennen ist für ihn immer wieder ein besonderes Erlebnis. «Die Strecke kenne ich sehr gut, da ich über den Mittag dort oft trainiere.» Logisch – denn sein Arbeitsplatz in der Werkstatt von vbl liegt ja direkt an der Luzerner Marathonstrecke.
Der Ausdauerläufer bezeichnet sein Hobby als ein Ausgleich zu seiner Arbeit bei vbl. «In der Werkstatt arbeiten wir viel mit den Händen. Beim Laufen gebrauche ich hingegen mehr die Beine.» Dank den flexiblen Arbeitszeiten könne er durchaus auch mal eine längere Mittagspause einschalten und dann trainieren gehen. Und in der Freizeit teilt er sein Hobby oft auch mit seiner Partnerin, die ebenfalls als Läuferin aktiv ist.

Grundkondition dank Schulweg

Die Trainingsstrecken sucht er sich aber immer mal wieder neu aus. «Ich habe da sicher mehr Abwechslung auf meinen Trainingsstrecken als die Trolleybusse von vbl, die immer auf den gleichen Linien verkehren müssen» schmunzelt Andreas Bernet. Die Trainingseinheiten stellt er oft selbst zusammen und holt sich dabei Inputs aus dem Internet. Die Grundkondition, da ist sich Bernet sicher, habe er sich bereits als Kind geholt, als er täglich einen langen Schulweg mit vielen Höhenmetern absolvieren musste.
Hätte er früher mit dem Laufsport begonnen, vielleicht wäre aus Andreas Bernet ein Star wie Viktor Röthlin geworden. Das Talent bringt er zweifelsfrei mit, und
den inneren Schweinehund kann er auch überwinden. «Es gibt in jedem Marathon eine Phase, wo man in ein Tief gerät. Bei der richtigen Vorbereitung könnte man aber auch nach dem Zieleinlauf noch etwas weiter rennen.» Bereut hat er den späten Einstieg in die Laufszene aber
nicht. «Bei anderen Marathonläufern, die früh begonnen haben, ist der Körper rasch ausgelaugt. Bei mir ist dies zum Glück nicht der Fall», freut sich Bernet.

Mehr Komfort im Trolleybus

Seit gut zweieinhalb Jahren arbeitet Andreas Bernet als Mechaniker bei vbl. Er ist insbesondere für die Trolleybusse zuständig. Für ihn, der im Napfgebiet in Luthern aufgewachsen ist, eine ganz
neue Erfahrung: «Der Trolleybus war von der Elektrotechnik her für mich neu. Der Aufbau dieser Busse ist schon speziell und spannend.» In der Werkstatt betreut er Reparaturen, Wartungen und
die grösseren Revisionen der Trolleybusse. Bernet findet vor allem die neuen Doppelgelenktrolleybusse toll und freut sich darauf, dass vbl in den nächsten zwei Jahren nochmals 17 dieser Busse beschaffen wird. «Diese Doppelgelenktrolleybusse haben schon deutlich mehr Komfort als die alten NAW-Busse. Die Neubeschaffungen sind auch für mich als Mechaniker sehr positiv. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass Luzern auf den Trolleybus setzt.»
Mit dem Absolvieren des Berlin-Marathons ist ein erster Traum in Erfüllung gegangen. In den nächsten Jahren will Andreas Bernet aber noch weitere Marathons bestreiten. Und vielleicht läuft er bald sogar mal in Übersee: «Der Marathon in Boston oder New York – das wäre schon mal was», sagt Bernet mit glänzenden Augen.