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Nostalgiker und Tüftler: Beat Ming ist Hobby-Bierbrauer

Während der Woche arbeitet Beat Ming seit 35 Jahren in der Carrosseriewerkstatt von vbl. In seiner Freizeit frönt er einem nicht ganz alltäglichen Hobby: Er ist passionierter Bierbrauer und Mit-glied im Verein interessierter Bierbrauer Immensee.

Beat Ming, was oder wer brachte Sie zum Bierbrauen?

Ich traf vor Jahren einen ehemaligen Schulkollegen, der Braumeister in einem Bierbrauverein ist. Er nahm mich mit in diesen Verein, und dort entdeckte ich, wie aus Getreide ein köstliches Getränk entsteht.

Was fasziniert Sie an diesem Hobby?

Das Eindrücklichste ist, den Brau- und Reifeprozess zu verfolgen und danach das eigene Bier zu geniessen. Ein selbst gebrautes Bier hat Charakter und hebt sich wohltuend vom «industriellen Einheitsgebräu» der grossen Bierkonzerne ab.

Wie sieht das Vereinsleben in einem Bierbrauerverein aus?

Im Verein interessierter Bierbrauer (www.vib.ch) sind wir zurzeit 24 Mitglieder. Pro Jahr brauen wir in unserem Braulokal gegen 2'000 Liter Vereinsbier. Dieses trinken wir am monatlichen Stammtisch. Es steht den Mitgliedern auch für private Anlässe zur Verfügung. Einmal im Jahr findet in Immensee ein grosses Bierfest statt. Da schenken wir unser eigenes Bier und weitere Bierspezialitäten aus. Da die 20 l-Fässer aus dem Verein fürs Feierabendbier ein bisschen zu gross sind, habe ich letztes Jahr angefangen, zu Hause mein eigenes Flaschenbier zu brauen.

Welche Maschinen/Ausrüstung benötigen Sie dazu?

Man braucht eine Getreidemühle, eine Sudpfanne mit Gasbrenner, ein Maischepaddel, einen Läuterbottich mit Siebboden, ein Einkochther-mometer, eine Bierspindel (ein Instrument zum Messen des Zucker-gehalts der Stammwürze), einen Würzekühler und einen Gärbehälter. Mit meiner Ausrüstung kann ich pro Sud 20 Liter Bier brauen. Zudem benötige ich noch leere Flaschen mit Bügelverschluss, um das fertige Bier abzufüllen und zu lagern. Im Winter braue ich in der Waschküche, im Sommer draussen im Garten.

Woher beziehen Sie die nötigen Rohstoffe, fürs Brauen?

Gutes Trinkwasser gibt es bei uns zum Glück im Überfluss. In der Schweiz finden sich verschiedene Anbieter, bei denen Hopfen, Malz und Hefe in verschiedenen Sorten und Qualitäten bequem per Internet bezo-gen werden können.

Gibt es eine so genannte «Hochsaison» für das Bierbrauen?

Grundsätzlich kann während des ganzen Jahres Bier gebraut werden. Jedoch braue ich im Frühling mehr Bier, da im Sommer mehr gebraucht wird. Wenn ich für einen Anlass zu einem bestimmten Datum ein selbst gebrautes Bier möchte, ist es wichtig vorauszudenken, da das Bier nach dem Brauen 6 bis 8 Wochen Reifezeit benötigt.

Braucht man eine spezielle Zulassung oder Prüfung, um selber Bier brauen zu dürfen?

Das Brauen von Bier für den Eigenverbrauch ist in der Schweiz erlaubt und steuerfrei. Wenn wir jedoch in unserem Verein das jährliche Bierfest veranstalten und unser Bier ausschenken, müssen wir dies bei der Eidgenössischen Alkoholverwaltung anmelden und versteuern.

Was macht Ihrer Meinung nach ein gutes Bier aus?

Bier soll nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut sein. Das heisst, es darf ausschliesslich Hopfen, Gerstenmalz und Wasser enthalten. Die Hefe wird für den Gärprozess zugegeben, nachher aber wieder entfernt. Mit diesen Zutaten lässt sich eine grosse Vielfalt von Biersorten herstellen. Die in Mode gekommenen und mit allerlei fremden Zusätzen «gepanschten» Biere und Biermixgetränke mag ich nicht und braue sie darum auch nicht. Für meine privaten Zwecke braue ich ein helles, herbes, spritziges und gut gehopftes Pils als Durstlöscher und zum Geniessen ein braunes, malziges Märzen, wie man es in der guten alten Zeit gebraut hat. Bier mit Mass (nicht in der Mass!) genossen ist gesund und bekömmlich. Am besten schmeckt’s in Gesellschaft mit Freunden oder Gästen.

Brau dir dein Bier!

1 Woche vorher: Malz, Hopfen und Hefe einkaufen.

3 Tage vorher: Hefe mit Würze vermischen und für den Brautag aktivieren.

Brautag: 08.00 Uhr, Schroten: 5 kg Gerstenmalz mit der Getreidemühle grob schroten. Unterdessen Wasser aufsetzen: 20 l Wasser auf ca. 50°C erhitzen.

08.30 Uhr, Einmaischen: Unter ständigem Rühren geschrotetes Malz portionenweise ins Wasser einmaischen und anschliessend im Maischetakt auf verschiedene Temperaturen erhitzen.

10.00 Uhr, Abläutern: Flüssige Würze durch einen natürlichen Filter aus Spelzen vom Treber trennen.

11.00 Uhr, Hopfen kochen: Würze zum Sieden bringen und 40 – 50g Hopfen portionenweise beifügen und mitkochen.

12.30 Uhr, Hopfen seihen: Nach der Kochzeit heisse Würze von Hopfenrückständen und ausgeschiedenen Eiweissflocken trennen.

13.00 Uhr, Würze kühlen: Mit Kupferschlange, durch die kaltes Wasser fliesst und Eiswasserbad die heisse Würze möglichst schnell auf 20 °C abkühlen.

13.30 Uhr, Stammwürze messen: Mit der Bierspindel den Zuckergehalt der Würze messen. Daraus lässt sich bereits jetzt der voraussichtliche Alkoholgehalt errechnen. Eine geringe Menge Würze für die spätere Flaschengärung entnehmen.

13.40 Uhr, Hefe anstellen: Aktivierte Hefe mit der Würze vermischen und gut belüften. Den Gärbehälter verschliessen. Nach kurzer Zeit beginnt die Gärung, wobei die Hefe den Zucker zu Alkohol und CO2 umwandelt.

Nach 4 – 5 Tagen, Umfüllen: Das junge Bier in einen anderen Gärbehälter umfüllen und die Hefe entnehmen.

Nach 8 – 10 Tagen, Abfüllen: Das Bier in Flaschen oder Fässchen abfüllen. Durch Zusetzen einer geringen Menge unvergorener Würze wird in der Flasche noch eine Nachgärung ausgelöst.

4 – 6 Wochen, Reifen: Das Bier möglichst kühl, d.h. nahe 0°C, während 4 – 6 Wochen reifen lassen. Es reichert sich mit CO2 an, wird klar, und die Resthefe setzt sich auf dem Boden ab.

 

Prost!

 

Luzern, April 2009