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Rock 'n' Roll im Blut - Kurt Schwegler von vbl

Interview mit vbl-Fahrdienstmitarbeiter Kurt Schwegler über seinen aussergewöhnlichen Ausgleich zur Arbeit.

Herr Schwegler, wie lange arbeiten Sie schon bei vbl?

Ich bin seit vier Jahren bei vbl als Fahrdienstmitarbeiter tätig. Doch die Unternehmung kenne ich schon lange, da mein Vater ebenfalls als Fahrdienstmitarbeiter arbeitet. Für mich war es deshalb naheliegend, ebenfalls diesen Beruf zu wählen.

Die vbl fährt in diesem Jahr unter dem Motto «Energie und Nerven sparen». Sie tanzen in Ihrer Freizeit Rock ’n’ Roll – und setzen dabei sicher auch eine Menge positive Energie frei. Seit wann gehen Sie diesem Hobby nach?

Seit meiner Kindheit tanze ich Standardtänze. Meine beiden Schwestern haben mich schon früh dazu überredet und zum Tanzen mitgenommen. Rock ’n’ Roll tanze ich nun seit drei bis vier Jahren.

Machen Sie auch bei Turnieren oder Wettbewerben mit? Für welchen Club und auf welchem Niveau tanzen Sie?

Turniertanz würde mich zwar reizen, doch ich tanze zum «puren Plausch». Tanzen ist eines meiner Hobbys. Um bei Turnieren oder Wettbewerben zu tanzen, müsste ich mindestens viermal pro Woche trainieren. Und dies lässt sich mit meiner Tätigkeit nicht so einfach vereinbaren. Ich tanze beim Rock 'n' Roll-Club Sixteen Luzern in einer Show-Formation. Wir treten an den unterschiedlichsten Anlässen auf. Man kann uns für Auftritte buchen. Infos dazu gibt es auf unserer Webseite www.sixteen.ch. Pro Jahr haben wir rund zehn Auftritte.

Wie oft trainieren Sie?

Da ich bei der vbl im Schichtbetrieb arbeite, kann ich nicht an fix bestimmten Wochentagen trainieren. Deshalb trainiere ich ein- bis zweimal pro Woche. Ein Training dauert zwei Stunden.

Tanzen ist kein typisches Männer-Hobby. Wie kamen Sie zum Rock ’n’ Roll?

Durch meine Schwestern lernte ich das Tanzen kennen. Auf Rock ’n’ Roll kam ich aber durch die Tochter eines Arbeitskollegen, die bereits Rock ’n’ Roll tanzte und einen Tanzpartner suchte. Obwohl ich dann nur wenige Monate mit ihr tanzte, blieb ich dem Club Sixteen in Luzern treu. Während eines Jahres wurde ich dann als «Allrounder» eingesetzt – das heisst, wenn ein Tänzer ausfiel, sprang ich ein. Seit drei Jahren trainiere und tanze ich nun mit einer festen Tanzpartnerin.

Tanzen, im Speziellen Rock ’n’ Roll, ist sicherlich sehr anstrengend. Wissen Sie, wie viele Kalorien Sie pro Tanzstunde verbrauchen?

(lacht) Wahrscheinlich einige. Aber den genauen Kalorienverbrauch habe ich noch nie berechnet. Rock ’n’ Roll ist schon anstrengend. Und je besser man tanzt, desto anstrengender wird es.

Machen Sie auch Ausdauer- und Krafttraining?

Beim Rock ’n’ Roll-Tanzen ist eine gewisse Sportlichkeit sicher von Vorteil. Ausdauer und Kraft sind notwendig, man braucht aber nicht so fit zu sein wie ein Marathon-Läufer. Wichtig sind vor allem auch Technik und Körperspannung. Ich denke, die Kombination aus allem ist die Lösung. Bei den Damen spielen das Gewicht und der Körperbau eine grössere Rolle. Ein sportlicher Körperbau ist vorteilhaft. Sehr wichtig, gerade bei den Hebefiguren, ist die Körperspannung – sonst sehen die Hebefiguren nicht schön aus.

Haben Sie sich beim Tanzen schon verletzt? Ist es vorgekommen, dass Sie Ihre Partnerin nicht «auffangen» konnten?

Grundsätzlich gehe ich kein Risiko ein. Im Training nehme ich lieber mehrere Anläufe für eine schwierige Figur. Eine Tanzpartnerin hat grosses Vertrauen in ihren Partner. Es ist wichtig, dieses Vertrauen nicht zu  verlieren. Im Moment ist meine Tanzpartnerin verletzt, sie hat das Kreuzband gerissen. Dies aber nicht aufgrund eines Fehlers von mir, sondern wegen eines Misstrittes. Auf unserem Niveau gibt es wenige Unfälle. Wir wärmen uns vor dem Tanzen gut auf, um Unfälle möglichst zu vermeiden.

Wie sieht es vor den Shows mit Ihren Nerven aus? Sind Sie nervös? Und was tun Sie, um Ihre Nerven nicht ganz zu verlieren?

Kurz vor dem Auftritt werde ich schon etwas nervös – aber ein bisschen Lampenfieber fördert auch die Konzentration. Ruhe versuche ich zu finden, indem ich tief ein- und ausatme. Oder wir sprechen uns innerhalb der Gruppe Mut zu. Das bringt auch Ablenkung. Sobald ich auf der Bühne stehe, ist die Nervosität wie weggeblasen.

Bereiten Sie sich speziell auf Ihre Auftritte vor? Ein besonderes Training? Oder achten Sie vor allem aufs Essen?

Nein. Damit ich mich fit fühle, reicht es mir, vor dem Auftritt genügend zu schlafen. Und natürlich esse ich vor einem Auftritt keine schweren Mahlzeiten.

Bei vbl bringen Sie als Fahrdienstmitarbeiter die Fahrgäste sicher an ihr Ziel. Eine vorwiegend sitzende Tätigkeit – werden Sie da nicht kribbelig?

Nein, das Gleichgewicht von Bewegung und Ruhe ist wichtig. Bei meiner beruflichen Tätigkeit sitze ich und bewege mich kaum. Dafür halte ich mich in der Freizeit mit Rock ’n’ Roll, Joggen und Biken fit.

Da generieren Sie bestimmt jede Menge positive Energie und können auch in hektischen Momenten kühlen Kopf bewahren. Was kann Sie aus der Ruhe bringen?

Es gibt nicht viel, was mich aus der Ruhe bringt. Ich habe meine Nerven ziemlich im Griff. Es kommt natürlich auch auf die Tagesform und den Gesundheitszustand an. Je nachdem reagiere ich etwas gereizter oder nehme es auf die leichte Schulter.

Herr Schwegler, wir wünschen Ihnen beim Tanzen weiterhin viel positive Energie. Vielen Dank für das spannende Gespräch.

Luzern, April 2007