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Der Herr der Lüfte

Marcel Schumacher hat es nicht so mit der Bodenhaftung. Der Elektroinstallateur von vbl hat auf der Fahrleitung einen luftigen Arbeitsplatz. In seiner Freizeit geht er als Helikopterpilot allerdings noch höher hinauf.

Der orange Turmwagen von vbl steht mitten auf der Strasse. Auf der Plattform des Turmwagens, einige Meter über Boden, steht Marcel Schumacher und repariert die Fahrleitung. Der Schaden muss schnell behoben sein, denn die Trolleybusse sind auf die Fahrleitung angewiesen. Während um ihn herum die Hektik des Verkehrs zu spüren ist, arbeitet der 33-jährige Elektroinstallateur unter Spannung konzentriert und ruhig. «Solche kniffligen Aufgaben gefallen mir», sagt Marcel Schumacher. Seit eineinhalb Jahren gehört er bei vbl zum Fahrleitungs-Team, welches die 37 Kilometer lange Fahrleitung in Luzern instand hält.

Nie am gleichen Arbeitsplatz

Das Fahrleitungsteam von vbl arbeitet im Schichtbetrieb. Stehen Revisionen an der Fahrleitung an, werden diese in der Nacht verrichtet. Nachtschichten haben für Schumachers Privatleben seine Tücken. «Es muss gut organisiert sein, damit ich meine Freundin auch mal sehe. Dafür hat man dann am Tag freie Zeiten, an denen man etwas unternehmen kann. Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich, man ist mal an der Wärme und mal im Schnee, aber sicherlich nie am gleichen Arbeitsplatz. Das macht es spannend», sagt Schumacher, der seine Lehre als Elektroinstallateur abgeschlossen hat und vor seiner Zeit bei vbl in einem kleineren Betrieb auf seinem angestammten Beruf, aber teilweise auch schon auf

Freileitungen gearbeitet hat. «Mich zieht es halt einfach in die Luft», sagt er über sich.

In die Luft geht Marcel Schumacher oftmals 
auch in seiner Freizeit. Wann immer möglich, setzt er sich ans Steuer eines Helikopters. Helikopterpilot zu werden, das war sein Bubentraum. 2007 durfte er einen Schnupperflug mit einem Fluglehrer machen – und von da weg hat es ihm den Ärmel reingezogen. 2009 absolvierte er die Prüfung als Privatpilot, mittlerweile besitzt er sogar die Berufspiloten-Lizenz. Damit darf er gewerbliche Passagierflüge durchführen. 1316 erfolgreiche Landungen stehen in Schumachers Buchhaltung. «Bei den Landungen braucht es viel Feingefühl», erzählt er.

Ab dem Flugplatz Beromünster bietet 
Schumacher Rundflüge an, über Luzern mit dem Panorama von See und Bergen, oder zu den Berner Alpen. Er hat dabei schon einige emotionale Momente miterlebt, einmal hat ein Fluggast seiner Freundin in der Luft einen Heiratsantrag gemacht. «Mein ältester Passagier war ein 85-jähriger Mann, der zum ersten Mal in einem Helikopter geflogen ist. Seine Freude, das Strahlen in den Augen, das ist für mich der Ansporn für meine Flüge», sagt Schumacher. Das Fliegen ist die grosse Leidenschaft von Marcel Schumacher: «Mich fasziniert die Freiheit, die ich in der Luft habe. Man fühlt sich wie ein Vogel.»

Brenzlige Situationen hat Schumacher 
bislang zum Glück nicht erlebt. Vor einem Flug brauche es aber eine gute Vorbereitung, gerade auch das Studium der Wetterlage. «Man darf nicht in die Wolken fliegen, sonst verliert man sehr schnell die Orientierung. Der Pilot muss immer im Voraus entscheiden, ob man fliegen kann oder nicht», sagt er, der allerdings lieber fliegt, wenn nicht nur einfach die Sonne scheint und der Himmel blau ist. 

Marcel Schumacher fliegt mit Helikoptern. 
Wäre es für ihn auch ein Thema, Flugzeuge zu pilotieren? Schumacher schmunzelt und sagt: «Mit einem Helikopter bist du viel flexibler, du brauchst keinen Flugplatz zum Landen. Mit dem Heli kann ich auch mal zu einem Restaurant fliegen, dort etwas essen und weiterfliegen.» Wenn er am Steuerknüppel eines Flugzeugs sitzen würde, dann würden ihn Akrobatikflüge reizen – das Spiel im dreidimensionalen Raum mit dem Element Luft. In Sachen Helikopter wäre es für ihn ein Traum, mal einen leistungsstarken Helikopter, etwa vom Typ Ecureuil B 3, zu fliegen, den auch andere Transportfirmen im Einsatz hat.

Ein Flug für die vbl-Kollegen?

Apropos Transportfirma: Könnte es sich Marcel Schumacher vorstellen, als Profipilot bei einer Fluggesellschaft zu arbeiten und beispielsweise auch Rettungseinsätze zu fliegen? Jein, sagt er. Denn: «Um eine Festanstellung zu erreichen, muss man viele Flugstunden vorweisen können. Ich setze nicht mehr alle meine Energie dafür ein, eine solche Festanstellung zu erhalten. Es gibt andere Dinge in meinem Leben, die mir ebenso wichtig sind wie die Fliegerei », sagt Schumacher und meint damit die Beziehung zu seiner Freundin. Ausserdem hätte Schumacher auch (noch) keine Berechtigung, mit Lasten zu fliegen. Ohne diese Berechtigung darf er keine Rettungseinsätze vornehmen. 

Vorerst fliegt Marcel Schumacher also 
weiterhin mit seinen Fluggästen – und kann dank der Flexibilität seiner Kollegen von der vbl-Fahrleitung auch schon mal spontan einen freien Tag einziehen. Sein Team hat er noch nie pilotiert. Aber solche Gedanken würden schon ab und zu ausgetauscht. Und wer weiss, vielleicht tauscht die vbl-Fahrleitungscrew den orangen Turmwagen mal für eine Stunde gegen einen Helikopter ein.