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Zwischen Weinbergli und Costa Rica - Markus Petrig von vbl

vbl-Fahrdienstmitarbeiter Markus Petrig erzählt im Interview von seinem spannenden Leben in Costa Rica – und von seinen Plänen für die Zukunft.

Herr Petrig, wie lange arbeiten Sie schon bei vbl?

Ich bin seit Dezember 2006 bei vbl angestellt. Doch zuvor war ich auch schon auf den Linien 10 und 11 unterwegs – jedoch für die Firma Bucheli in Kriens, die diese Linien damals betrieb.

Was machen Sie in Costa Rica?

Ich verbringe die Wintermonate an der Karibikküste von Costa Rica, wo ich mit meiner Frau Ferienhäuschen – die sogenannten Cabinas – vermiete. Unsere Unterkünfte lassen sich kurz- und auch langfristig mieten. Denn wer den Winter in der Karibik verbringen will, hat oftmals Mühe, eine geeignete Cabina zu finden. Und viele davon sind nur spar-tanisch eingerichtet, während unsere über eine komplette Küche verfügen.

Sie arbeiten allerdings nicht das ganze Jahr über bei vbl.

Stimmt. Im Dezember 2006 bin ich zum ersten Mal für mehrere Monate nach Costa Rica gereist. Zu vbl zurückgekommen bin ich dann im Mai 2007. Und Ende Oktober nahm ich mit einem Frachter ab Hamburg bereits wieder Kurs auf Costa Rica. Die Route führt über Martinique, Guadeloupe und Kolumbien. So sehen meine Pläne auch für die näch-sten Jahre aus: Mai bis Oktober verbringe ich in der Schweiz, Oktober bis Mai in Costa Rica.

Wie unterscheidet sich die Arbeit bei vbl von jener in Costa Rica?

Zwischen vbl und Costa Rica liegen Welten. Mein Tagesablauf bei vbl ist durch den Fahrplan strukturiert, Arbeits- und Freizeit sind klar geregelt. Schon nach kurzer Zeit stehe ich in einem freundschaftlichen Verhältnis mit meinen Arbeitskolleginnen und -kollegen. Hier in der Schweiz habe ich ein gesichertes Einkommen und auch viel Spass bei der Arbeit. Doch das Leben ist auch viel hektischer. Ganz anders lebe ich in Costa Rica – Kultur, Gepflogenheiten und Klima sind nicht mit Schweizer Verhältnissen zu vergleichen. Die Menschen begegnen mir überaus offen und freundlich. Ich kann den Tagesablauf selbst bestimmen, da ich vor-wiegend mit Touristen oder unseren Pferden arbeite. Am meisten Zeit nehmen die Umschwungsarbeiten in Anspruch – was nicht erstaunlich ist, denn unser Garten ist 30'000 m2 gross. Darin wachsen viele tropische Bäume – zum Beispiel Organgen- oder Mangobäume, aber auch Sternfruchtbäume und Crocodile trees. Links und rechts an-grenzend an unser Land befindet sich tropischer Regenwald, ein wilder Dschungel mit allem, was dazugehört – Affen, Faultiere oder Schlangen. Natürlich können wir nicht alle Arbeiten selbst bewältigen. Je nach Arbeitsanfall beschäftigen wir drei bis vier einheimische Arbeiter.

Wie kann man Ihre Cabinas mieten?

Besuchen Sie uns im Internet. Auf www.wolfsong-costarica.blogspot.com finden sich alle wichtigen Angaben: die Kontaktadresse, die Mietpreise, die genaue Lage. Und natürlich gebe ich auch gerne persönlich Auskunft.

Es geht auf Weihnachten zu. Wie feiern Sie Weihnachten in Costa Rica? Kommt überhaupt Weihnachtsstimmung auf?

Ja, es ist sehr aufregend, Weihnachten im Urwald zu feiern. Da wird das ganze Dorf geschmückt – mit Lichterketten und Girlanden, fast wie hier in der Schweiz, nur viel farbiger. Am Nachmittag des Heiligen Abends ziehen Kinder singend und tanzend durch das Dorf und lassen sich mit Süssigkeiten und Getränken beschenken. Am Abend versammelt sich dann die Familie zum Festessen und zur Bescherung – natürlich im Freien, im Garten oder auf der Veranda. Manche schmücken Palmen oder Orangenbäume, und es finden sich sogar Tannen, die aus Kanada importiert werden. Aber nur wenige Menschen in Cahuita können sich einen solchen Luxus leisten. Die eigentliche Feier beginnt erst nach dem Festessen. Dann geht man ins Dorf, trifft sich. Sämtliche Restaurants und Bars haben die ganze Nacht über geöffnet. Junge, Alte, Weisse, Farbige, Arme, Reiche, Einheimische und Touristen – alle feiern zusammen, niemand ist allein. Es wird getanzt und gesungen. Am Strand brennen Feuer, die Menschen sitzen darum herum und feiern friedlich, das Meer rauscht, und man hört die Brüllaffen bellen. In Costa Rica ist Weih-nachten noch nicht so kommerziell ausgerichtet, sondern noch immer ein Fest der Liebe und des Friedens, der Zusammengehörigkeit, der Freude und Fröhlichkeit.

Denken Sie, dass Sie endgültig nach Costa Rica auswandern werden?

Ja, ich bin mir sicher, dass ich die Schweiz für immer verlassen werde. Doch da wir im nördlichen Nachbarland Nicaragua an einem ähnlichen Projekt beteiligt sind, steht noch nicht fest, wo wir uns schliesslich niederlassen werden. Und auch das südlicher gelegene Panama kommt für uns noch in Frage. Sicher ist nur, dass wir irgendwo im tropischen Gürtel leben werden. Aber wahrscheinlich bleibe ich mein Leben lang «un vagabondo», ein Zugvogel – und diese Vorstellung macht mich unendlich glücklich!

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch - wir wünschen Ihnen viel Glück.

Luzern, November 2007