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Ohne Halt bis zum Gipfel: Bergsteiger René Lustenberger

38 Gipfel über 4’000 m.ü.M. hat René Lustenberger bereits erklom-men. Jedes Jahr kommen ein paar hinzu. Der 59-jährige Fahr-dienstmitarbeiter von vbl ist Sommer wie Winter am liebsten in den Bergen. «Dort fühle ich mich wie ein Vogel», erzählt der passionierte Bergsteiger im Interview

Seit wann machen Sie Bergtouren?

Ich bin bereits als kleiner Junge gerne geklettert. Aber so richtig auf den Geschmack gekommen bin ich durch einen Arbeitskollegen. Meine Frau und meine drei Kinder konnte ich nie so richtig dafür begeistern. Deshalb standen andere Beschäftigungen im Vordergrund, als die Kinder noch jünger waren. Heute unternehme ich Klettertouren, Skitouren, Hoch-touren und Biketouren.

Wie regelmässig und mit wem unternehmen Sie Bergtouren?

Ich gehe bei schönem Wetter Sommer wie Winter auf Touren. Meistens bin ich mit Kollegen unterwegs. Manchmal auch mit Arbeitskollegen von vbl. Zudem bin ich Mitglied beim SAC (Schweizer Alpenclub). Durch die unregelmässige Arbeitszeit ist es jedoch schwierig, beim SAC als Aktivmitglied tätig zu sein. Ich bekomme aber regelmässig das Infoheft. Mit diesem bin ich stets informiert über Routensanierungen oder neue SAC-Hütten.

Was braucht es, um auf eine Hochgebirgstour zu gehen?

Das Wichtigste ist, Freude an der Natur zu haben und sich in den Bergen wohl zu fühlen. Eine gute körperliche Verfassung und Schwindelfreiheit sind natürlich genauso wichtig. Bei Skitouren sind die Abfahrten meist anspruchsvoll. Gute Skikenntnisse sind deshalb von Vorteil. Jeder, der auf einen Berg steigen will, sollte seine körperlichen und psychischen Grenzen kennen. Wer seine Grenzen überschreitet, bringt sich und andere in Gefahr.

Wie bereiten Sie sich auf eine Tour vor?

Ich habe Freude daran, selber Berge auszukundschaften und Routen zu planen. Ich hole Informationen beim Hüttenwart oder bei Kollegen ein, welche die Gegend und Touren kennen. Eine spezielle Vorberei-tungsphase habe ich aber nicht. Ich mache das ganze Jahr hindurch Konditions- und Ausdauertraining. Zusätzlich beobachte ich bereits Tage im Voraus das Wetter. Bei unsicheren Wetterlagen gehe ich keine Risiken ein und sage lieber eine Tour ab, auch wenn es noch so schade ist.

Welche Ausrüstung braucht es für eine Hochgebirgstour?

Die Ausrüstung ist sehr umfangreich. Es braucht Seile, Eisschrauben, Steigeisen und einen Klettergürtel, den man um sich trägt. Ich habe immer einen Biwaksack dabei. Der Biwaksack ist ein winddichter, meist auch wasserdichter Sack, welcher die eigene Körperwärme speichert und bei Übernachtungen im Freien zum Einsatz kommt. Zusammen mit dem Proviant kann der Rucksack dann ein Gewicht von 25 bis 30 Kilogramm erreichen.

Welche Berge besteigen Sie, haben Sie bereits bestiegen oder möchten Sie besteigen?

Bis jetzt habe ich insgesamt 38 Berggipfel über 4'000 m.ü.M. bestiegen. Die Schweiz hat 44 Berge, die über 4'000 Meter hoch sind. Mein Ziel ist es, alle einmal bestiegen zu haben. Gewisse Gipfel wie zum Beispiel den Mont Blanc habe ich bereits mehrmals bestiegen.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie auf dem Gipfel angekommen sind?

Wie ein Vogel. Ich fühle mich frei und kann die Aussicht auf die Berge um mich herum geniessen. Jede erfolgreiche Besteigung auf einen Gipfel ist für mich eine Befriedigung und Motivation für die nächste Tour. Es ist eine Bestätigung, dass sich das Training gelohnt hat. In den Bergen kann ich abschalten und den Alltagsstress abbauen. Danach bin ich jeweils viel entspannter bei meiner Arbeit.

Welches war Ihr schönstes, erlebnisreichstes, gefährlichstes Erlebnis auf einer Tour?

Von solchen Erlebnissen gibt es einige. Beim Aufstieg zur Dufourspitze entdeckten ein Kollege und ich eine Frau in einer Gletscherspalte. Ihr Mann hatte uns um Hilfe gebeten. Glücklicherweise konnten wir die Frau aus der Spalte befreien, verpassten dann aber die Gornergratbahn und mussten zu Fuss ins Tal hinuntersteigen. Das Übernachten im Biwaksack auf 4'000 Meter über Meer war auch eine spezielle Erfahrung. Wir waren unterwegs auf das Weisshorn und in einer Berghütte angemeldet. Doch dort angekommen, war diese völlig überfüllt. Wir entschlossen uns, da das Wetter gut war, im Biwaksack einige Meter unterhalb des Gipfels (am Frühstücksplatz) 3'916 m.ü.M. zu übernachten. Ein unvergessliches Erlebnis.

Luzern, November 2009