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Stark auf der ganzen Linie

Seit über drei Jahrzehnten fährt der 62-jährige Toni Halter unsere Fahrgäste durch die Region Luzern. Legendär ist seine stets aufgestellte Art. Die Kraft dazu holt er sich in einer traditionellen Sportart.

Toni Halter, Sie sind seit 33 Jahren Buschauffeur bei vbl. Was ist heute anders als vor drei Jahrzehnten?

Auf der Strasse wird aggressiver und hektischer gefahren. Als Buschauffeur darf man sich aber nicht hetzen lassen. Wunderbar sind die Veränderungen bei unseren Fahrzeugen. Sie sind moderner, feudaler und mit mehr PS stärker geworden.

Ursprünglich fuhren Sie mit Kippern und Anhängerzügen und wollten nicht zu vbl. Weshalb sind Sie nun doch über drei Jahrzehnte in dieser Unternehmung geblieben?

Ich bin mit Leib und Seele Chauffeur. Diesen Berufswunsch hatte ich schon mit 12, 13 Jahren. Ich verzichtete deswegen sogar auf eine Lehre als Käser. Sobald ich vom Alter her durfte, wollte ich mit einem Lastwagen auf die Strasse. So bin ich einige Jahre mit dem Lastwagen im Inund Ausland gefahren. Allerdings hatte ich keine geregelten Arbeitszeiten. Wenn man eine Familie gründen will, ist das eine schwierige Voraussetzung.

Also kamen Sie zu vbl und wechselten auf den Bus?

Ein Kollege hat mich überzeugt, für das frühere Busunternehmen Gowa zu fahren, fünf Jahre später kam ich dann zu vbl. Die Anstellungsbedingungen und die Leistungen des Unternehmens sind bis heute sehr gut. Der Lohn kommt pünktlich, die freien Tage sind geregelt, und so konnte ich das Eigenheim umbauen, den Hobbys frönen und eine Familie gründen. Ich war ein richtiger Workaholiker.

Trotzdem haben Sie gerade auch in früheren Jahren bevorzugt am Sonntag Ihren freien Tag bezogen. Warum?

Weil am Sonntag die Schwingfeste stattfinden. Als junger Mann war ich ein begeisterter Aktivschwinger.

Sie haben fünf Kränze gewonnen und auch mal einen stärkeren Gegner auf den Rücken gelegt. Mit Ihrer Körpergrösse von 1,72 Metern und der filigranen Statur verkörpern Sie ja nicht gerade den typischen Schwinger.

Das stimmt. Wenn man Talent hat, ist die Grösse und das Kampfgewicht nicht allein entscheidend. Ich habe oft defensiv geschwungen. Und wenn dann so ein «Fätze» etwas frech geworden ist, habe ich ihn auf den Rücken gelegt (lacht). Ich habe gerne gegen stärkere Schwinger gekämpft.

Nach Ihrer Aktivkarriere waren Sie auch lange Jahre als Funktionär in Ihrem Schwingklub Giswil tätig, acht Jahre sogar als Präsident. Was macht für Sie die Faszination Schwingen aus?

Die Kameradschaften und Freundschaften, die man auf dem Schwingplatz schliesst, halten ein Leben lang. Im Sägemehl ist man zwar Gegner, aber man gehört doch zu einer grossen Familie. Schwingen ist eine Lebensschule. An einem Schwingfest kämpft man ganz für sich alleine vor sehr vielen Zuschauern. Du bist alleine verantwortlich für das, was du tust. Und du musst auch einstecken, verlieren lernen und wieder aufstehen. Ich sage immer: Wenn einer schwingt, kommt er im Leben nicht auf Abwege.

Konnten Sie die Erfahrungen aus dem Schwingsport auch in Ihren Beruf als Buschauffeur mitnehmen?

Ja, sicher. Im Bus trage ich die Verantwortung, da bin ich der Chef. Die Sicherheit hat oberste Priorität, egal, ob ich nun einen oder 100 Fahrgäste führe.

Sie sind ein fröhlicher Mensch, lachen gerne und sind auch nie um einen Spruch verlegen.

Ich mache halt meinen Job sehr gerne (lacht). Wenn ich pensioniert werde, wird mir das Steuerrad bestimmt fehlen. Es stimmt schon, ich mache gerne mal einen Witz. Aber im Bus muss man immer ein wenig aufpassen. Nicht alle Fahrgäste verstehen einen Spass gleich. Aber manchmal entspannt sich auch eine Situation durch etwas Lockerheit. Einige Fahrgäste kennen mich ja mittlerweile.