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Ein Fahrdienstleiter hebt ab

Einleitung

Als Fahrdienstleiter hat Urs Bieri den Strassenverkehr fest im Griff. In seiner Freizeit hingegen verliert er gerne mal den festen Boden unter den Füssen und verweilt über den Wolken: Als Hobby-Pilot tankt er neue Energie für den vbl-Alltag.

Urs Bieri, wie kamen Sie zur Fliegerei?

Fliegen war schon ein Bubentraum von mir: Ich hatte nichts als Flieger im Kopf. X Stunden habe ich beim Flugplatz in Emmen verbracht, um Flug-zeuge zu beobachten. Als ich die finanziellen Möglichkeiten hatte, machte ich den Flugschein und erfüllte mir so 1985 als 26-Jähriger meinen Traum. Heute absolviere ich ca. einen bis zwei Flüge im Monat.

Und was fliegen Sie genau?

Das sind zweimotorige Turbinen- sowie Kolbenmotor-Maschinen mit sechs bis zehn Plätzen. Wie es in der Fliegerei üblich ist, habe ich zuerst gelernt, auf Sicht zu fliegen ; in der Fachsprache heisst das: Fliegen nach Visual Flight Rules (VFR). Dank verschiedener Weiterbildungen darf ich auch Instrumentenflüge nach Instrumental Flight Rules (IFR) durch-führen. Dabei fliegt man quasi «blind», ausschliesslich mit Hilfe der Bordinstrumente und Fluglotsen.

Wohin gehen die Flüge denn?

Das ist ganz unterschiedlich. Wenn ich in Triengen zu Sichtflügen starte, dann mache ich vor allem Alpenrundflüge oder ich fliege ins Tessin. Lange Flüge haben mich auch schon nach Teneriffa und Hamburg geführt. Aber eigentlich geht es sowieso nicht um die Destination, sondern um das Gefühl, das man beim Fliegen hat. Insgesamt habe ich nun 980 Flugstunden mit über 1570 Landungen hinter mir.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Flug erinnern?

Ja, vor allem an meinen ersten Instrumentenflug. Als ich das erste Mal alleine durch die Wolken fliegen konnte, war das einfach himmlisch. Die Wolken sehen aus wie Watte. Sobald man durch sie hindurch ist, kommt die Sonne. Es ist eine schöne Welt dort oben.

Bei so viel Passion fürs Fliegen: Wollten Sie nie Berufspilot werden?

Doch. Allerdings war ich für eine Anstellung bei der damaligen Swissair und auch bei Crossair schon zu alt. So ist die Fliegerei mein wunder-bares Hobby geblieben. Mein Arbeitgeber ist nun vbl, aber so weit weg ist dies ja gar nicht vom Berufspiloten-Dasein. Schliesslich geht es in meinem Beruf auch um Mobilität – und bei vbl trage ich eine schöne blaue Uniform, so wie die Airline-Angestellten auch (lacht).

Gibt es noch weitere Parallelen?

Ja, zum Beispiel die Koordination: Als Fahrdienstleiter muss ich wissen, wo die Busse genau stehen, und diese dann koordinieren, damit sie am richtigen Ort durchfahren. Dieselbe Koordination und Orientierung brauche ich beim Fliegen, um jederzeit zu wissen, wo ich bin. Zudem erlebe ich an beiden Orten immer wieder Neues. Auf der Leitstelle ist kein Tag wie der andere. Genauso ist es beim Fliegen.

Hätten Sie gerne eine eigene Maschine?

Ein eigener Flieger wäre natürlich toll. Aber so eine Maschine kostet viel Geld: Eine halbe Million Franken muss man schon rechnen, wobei nach oben keine Grenzen gesetzt sind. Sollte ich einmal im Lotto gewinnen, kaufe ich mir statt eines Ferrari einen Flieger und tanke dann noch öfter Energie über den Wolken (lacht).


Luzern, April 2012