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Passion und Verantwortung - Auf der Jagd im Entlebuch

Walter Hofstetter ist seit 21 Jahren Fahrdienstmitarbeiter bei vbl - und seit 16 Jahren Jagdpächter im Amt Entlebuch.

Herr Hofstetter, wie kommt man zur Jagd?

Ich bin im Jagdrevier aufgewachsen, wo ich heute Jäger bin. Bereits damals auf dem Schulweg begegnete ich Jägern und Wildhütern. Dazu kam, dass mein Vater, meine Grosseltern und auch meine Grossonkel auf die Jagd gingen. In meiner Jugend war ich einige Jahre im Bündnerland. Dort hatte ich auch wieder mit Jägern Kontakt.

Was fasziniert Sie an der Jagd?

Die Jagd ist kein Hobby, sie ist eine Leidenschaft. Man muss mit Leib und Seele Jäger sein. Das Faszinierende sind die Natur und die Tierwelt. Auf der Jagd ist man, fern von Verkehr und Alltag, sein eigener Herr und Meister. Man muss innert Sekunden richtig entscheiden. Auch die Freundschaft unter den Jägern ist sehr schön und wichtig.

Wann findet die Jagd statt?

Es gibt drei Arten von Jagd: die Pirsch, die Ansitzjagd und die Bewegungsjagd, die früher Treibjagd hiess. Auf die Pirsch geht der Jäger im Sommer oder Herbst. Er durchstreift das Gelände und beobachtet das Wild. Bei der Ansitzjagd im Frühling und Sommer richtet sich der Jäger fest auf einem Posten ein. Die Bewegungsjagd ist die klassische Jagd. Im Kanton Luzern findet sie von 1. Oktober bis 15. Dezember statt.

Wie sind die Reaktionen, wenn Sie als Jäger unterwegs sind?

In ländlichen Gebieten und vor allem im Biosphären-Gebiet sind sie positiv. Wir Jäger geniessen grosse Akzeptanz. Es ist auch so, dass ich im Entlebuch verwurzelt bin, wo jeder jeden kennt. Häufig suchen wir Jäger zudem das Gespräch mit Förstern und Bauern, um Informationen auszutauschen.

Wo sehen Sie den Sinn und Nutzen der Jagd?

In der Schweiz wird eine sehr nachhaltige Jagd betrieben. Der Wildbestand wird im Gleichgewicht gehalten. Seit 2000 leisten wir im Kanton Luzern viel Aufklärungsarbeit. Kritische Stimmen kommen häufig aus städtischen Gebieten, da der Bezug zum Kreislauf der Natur und zur Tierwelt kaum besteht. Jäger erlegen nicht jedes Tier, das ihnen vor die Augen tritt. Es ist genau definiert, in welcher Zeit welche Tiere geschossen werden dürfen. Zudem darf man nicht vergessen, dass die Jäger den Gemeinden und Kantonen Geld abliefern.

Haben Sie als Jagdpächter zusätzliche Aufgaben?

Einerseits ist der Jäger finanziell am Jagdrevier beteiligt und dafür solidarisch verantwortlich. Andererseits haben wir zusätzliche Aufgaben wie Jungpflanzenschutz, Waldreinigung, Wildzählung und die Rehkitz-rettung, Wildbeobachtungen, Pilzkontrollen. Auch werden wir bei Wild-unfällen beigezogen.

Was macht einen guten Jäger aus?

Er muss Freude an der Natur und der Tierwelt haben. Meist ist er freiheitsliebend, beständig, ausgeglichen und überlegt. Und natürlich darf die Ruhe nicht fehlen. Ein nervöser Jäger hat es schwer.

Braucht ein Jäger einen Jagdhund?

Nein, nicht jeder Jäger braucht einen Hund. In unserem Revier sind wir 15 Pächter, und wir halten zwischen zwei und vier Hunde. Es gibt Jagdhunde, die das Wild aufschrecken und hochtreiben. Die Schweiss-hunde –  Schweiss bedeutet Blut – braucht man für die Suche nach einem verletzten Tier.

Damit man jagen darf, muss man zuerst eine Jagdprüfung machen ...

Zuerst muss man die Schiessprüfung bestehen. Dann kommt das Hegejahr. Dabei lernt man die Jagd in der Praxis. Man begleitet einen erfahrenen Jäger. Daneben müssen obligatorische Kurse der kantonalen Jagdverwaltung und der Jagdprüfungskommission besucht werden. Nach rund einem Jahr folgt die theoretische Prüfung zu Themen wie Brauchtum, Gesetz, Waffen, Hunde, Hygiene und Wildkunde.

Wie viele Jäger gibt es?

Im Kanton Luzern insgesamt rund 2’200 Jäger und 36 Jägerinnen.

Welches Tier erlegen Sie am häufigsten?

In unserem Revier ist das Reh Hauptwild. Jeder Jäger erlegt im Durchschnitt zwei bis drei Rehe pro Jagdsaison. Gämsen und Hirsche sind bei uns Nebenwild. Ich persönlich bin ein begeisterter Gämsjäger.

Wer bestimmt, wie viel und was geschossen werden darf?

Die kantonale Jagdverwaltung bestimmt die Anzahl bei Gämsen und Hirschen. Bei den Rehen legen die Jagdpächter die Anzahl Tiere fest. Entschieden wird aufgrund der Bestandeserhebung im Frühling.

Was passiert mit den erlegten Tieren?

Der Jäger kann das Tier behalten und bezahlt dafür einen Preis pro Kilo. Oder das Tier wird an den Dorfmetzger oder ein Restaurant verkauft. Als Jagdpächter bezahlt man übrigens auch einen Jagdpachtzins und einen Strassengenossenschaftsbeitrag.

Essen Sie selber auch Wild?

Als gelernter Metzger esse ich gerne Fleisch und sehr gerne Wild. Wenn ich Fleisch esse, dann soll es ein gutes Fleisch sein. Wild ist gesund und fettarm. Und ich weiss, woher es kommt.

Bereiten Sie das Wild auch selber zu, zum Beispiel auf Jägerart?

Normalerweise überlasse ich das den Frauen, aber beim Wild «tüftle» ich sehr gerne selber etwas aus.

Herr Hofstetter, vielen Dank für das spannende Gespräch.

Luzern, November 2008